Chef-Energiemanager Thomas Hojenski im Interview: Leiterplatten herstellen? Geht auch nachhaltig!

Die Industrie verursacht in Deutschland rund 31 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs. Soll die Energiewende gelingen, müssen Unternehmen ihre Verantwortung annehmen: Verbräuche sichten, kontrollieren und nach Optimierungsmöglichkeiten suchen. Bei steigenden Energiepreisen ist das nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Neben dem Verbrauch steht aber auch die Bereitstellung von Energie stärker im Fokus: Im Jahr 2020 konnten bereits 45 Prozent des Strombedarfs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.

Die Leiterplatten-Industrie ist vielleicht nicht die größte Branche, aber durch ihren hohen Bedarf an Frisch- und Abwasser sowie Energie innerhalb der Produktion darf sie sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Als KSG GmbH haben wir daher bewusst einen Pfad zur Nachhaltigkeit eingeschlagen. Unser Leiter Betriebstechnik Herr Thomas Hojenski stand dem PCB-Blog dazu Rede und Antwort.

Zur Person:
Thomas Hojenski ist seit 1.1.2020 bei der KSG GmbH tätig und wohnt in Stollberg. Der 47-Jährige verantwortet bei KSG die Medienversorgung (Strom, Gas, Wasser), das Energiemanagement sowie das Facility Management. Der zweifache Vater beschäftigt sich auch in seiner Freizeit mit Energie und achtet auf einen sparsamen Umgang damit. Sein Credo: „Die Natur im Erzgebirge ist zu schön, um nichts dafür zu tun, dass sie uns erhalten bleibt.“

Herr Hojenski, Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Einige glauben ja, dass das Thema gar nicht so wichtig sei. Wieso beschäftigt sich die KSG damit?
Als Unternehmen tragen wir eine große Verantwortung. Nicht nur für unsere Zahlen, sondern auch für unsere Mitarbeiter und unsere Region. Unser Firmensitz in Gornsdorf zum Beispiel verbraucht so viel Energie wie eine Kleinstadt mit ungefähr 5.000 Vier-Personen-Haushalten. Unsere Produktion kostet uns also ungefähr so viel Strom wie allen Bürger der Stadt Aue-Bad Schlema – und das jeden Tag. Wenn wir als Gesellschaft zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen kommen wollen, müssen wir als Unternehmen unseren Teil dazu beitragen. Ganz abgesehen von den enormen Kosten, die mit so einem Energieverbrauch einhergehen.

       „Wir verbrauchen ungefähr so viel Strom wie eine Kleinstadt – Tag für Tag.“

Das klingt sehr viel. Ist es denn bei Ihrer Branche überhaupt möglich, Energie zu sparen?
Natürlich. Hier spielen Investitionen in aktuelle Technologien und Maschinen eine große Rolle. Unsere neuen Direktbelichter zum Beispiel schaffen nicht nur viel feinere Leiterzüge, sondern ersparen uns auch die teuer herzustellenden Filme. Die Investition rentiert sich dadurch nicht nur finanziell, sondern lohnt sich auch im Hinblick auf die Reduzierung nicht mehr verwendbarer Wertstoffe.

Als Verantwortlicher fürs Energiemanagement schauen Sie zuallererst auf den Strom. Wo spielt Nachhaltigkeit für die KSG noch eine Rolle?
In sehr vielen, tatsächlich. Nehmen wir einen weiteren Bereich, der in meiner Verantwortung liegt: Das Wasser. Als Unternehmen verbrauchen wir ungefähr so viel Wasser wie ein mittelgroßes Dorf von 2.000 Einwohnern. Bereits heute setzen wir Brauchwasser ein, möchten das jedoch ausbauen, um die Ressource Trinkwasser zu schonen. Auch Kühl- und Wärmekreisläufe werden wir untersuchen, um beispielsweise zu sehen, wie wir ungenutzte Abwärme so umleiten können, dass sie sinnvoll genutzt werden kann – Stichwort Wärme-rückgewinnung. Aber auch Prozesse wieder „inhouse“ abbilden zu können, trägt einen Teil bei.

Haben Sie ein Beispiel für uns?
Nehmen wir den Bohreranschliff. Früher lagerten wir das an einen Dienstleister in der Slowakei aus. Das bedeutete, dass die Bohrer mit LKW’s die ganze Strecke hin und wieder zurück fahren mussten – insgesamt rund 20.000 Kilometer Transportwege im Jahr, was einer halben Erdumrundung entspricht. Diese Umweltbelastung und auch einiges an Kosten sparen wir uns seit der Umstellung.

Gute Gründe für mehr Nachhaltigkeit

  • Die eigenen Kosten minimieren
  • Positives Argument gegenüber dem Kunden
  • Attraktiv als Arbeitgebermarke
  • Verschaffen eines Marktvorteils gegenüber dem Wettbewerb
  • Beeinflussen der Kapazitäten, bspw. durch kürzere Transportwege
  • Erfüllen von Gesetzesvorgaben
  • Verantwortung für kommenden Generationen übernehmen

Sie nehmen also ebenfalls die Lieferketten in den Blick. Machen das Ihre Kunden auch und fragen nach, was KSG in punkto Nachhaltigkeit unternimmt?
In meiner Wahrnehmung hat die Nachfrage in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Unternehmen müssen heute dokumentieren, wie sie mit Ressourcen umgehen; das fängt schon bei der CO2-Angabe auf der Rechnung an. Bei Kunden-Audits ist das Thema präsenter geworden, aber noch kein Hauptkriterium bei der Entscheidung für oder gegen uns.

Spielt es denn eine Rolle als Arbeitgebermarke?
Mein Eindruck ist, dass die Mitarbeiter dafür sensibilisiert sind und Nachhaltigkeit als Gesamtaufgabe wahrnehmen. Hier spielen auch andere plakativere Faktoren eine Rolle, wie unser eigenes Bienenvolk, das Honig für unsere Kollegen produziert. Übrigens sind wir auch bei unseren tierischen Mitarbeitern an Effizienz interessiert: Um ihnen Wege zu sparen, werden wir eine eigene Bienenwiese anlegen.

Prozessoptimierung mal anders! Um Prozesse zu verbessern, muss man sie erst einmal ganz genau kennen. Wie ich hörte, ist eine Bestandsaufnahme eine Ihrer ersten Aufgaben als Chef-Energiemanager.
Natürlich kennen wir all unsere Arbeitsprozesse und Produktionsprozesse schon sehr gut. Wir sind nach ISO 14001 und ISO 50001 zertifiziert und unterziehen uns regelmäßig Audits. Alle Prozesse werden wir uns jetzt noch einmal mit anderen Augen anschauen und 2022 ein Gesamtkonzept der Energiebedarf aufstellen, also wo wie viel und welche Art Energie gebraucht wird. Können bestimmte Maschinen zu manchen Tageszeiten ausgeschaltet werden? Können wir die Abwärme im Haus zweitnutzen? Auf Basis dessen werden neue Projekte entstehen, die dann praktische Verbesserungen hervorbringen sollen. Auch über Erneuerbare Energien denken wir aktiv nach, um Leistungsspitzen besser selbst abdecken und gegenfinanzieren zu können.

„2022 erstellen wir ein Gesamtkonzept unseres Energiebedarfs, um unseren Verbrauch zielgerichtet zu optimieren.“

Die Produktion von Platinen erfordert viele wertvolle Rohstoffe wie Gold und Kupfer, die nicht nur teuer sind, sondern auch begrenzt. Wie leistet die KSG einen Beitrag beim sorgsamen Umgang damit?
Diese Rohstoffe sind tatsächlich sehr wertvoll, auch für die Produktion von Leiterplatten. Alles überschüssige Material, das nicht Teil einer Platine wurde, recyclen wir. Kupfer lösen wir – neben anderen Wegen – mit einer Ammoniak-Lösung und Elektrolyse ab. Das übrige Material wird abgeklopft und durch einen Verwerter abgeholt. Das recycelte Kupfer ist für uns leider nicht mehr einsetzbar, findet aber in vielen anderen Bereichen noch Verwendung. Ähnlich funktioniert das bei Gold oder Zinn.

Und wie stellen Sie sicher, dass auch bei der Produktion von Gold oder Zinn alles Ihren Ansprüchen entspricht?
Durch das so genannte EU-Lieferkettengesetz sind wir dazu verpflichtet, Konfliktmineralien aus nachvollziehbaren und gewissen Standards entsprechenden Quellen zu beziehen. Wir fragen unsere Zulieferer regelmäßig ab, wo genau die Mineralien abgebaut und verhüttet werden. So stellen wir nicht nur sicher, dass Umweltschäden vermieden werden, sondern tragen auch unseren kleinen Teil zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen bei.

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